30.11.2021: Drei auf einen Streich

30.11.2021: Drei auf einen Streich

Widerstände konnten Holger Laudeley in seinem Leben selten von einem Vorhaben abhalten, das er sich in den Kopf gesetzt hatte. Zu diesen gehört auch ein Projekt der besonderen Art in Ludwigsfelde bei Berlin. Dort sanierte Laudeley mit seinem Team gleich drei Häuser in einer einzelnen Straße energietechnisch. Die Besonderheit: Alle drei Gebäude gehören einer Familie, dem Paar Petra Hoffmann und Sven Krüger. Doch, weit weg von Ritterhude galt es, zahlreiche Widerstände zu überwinden. 

Wetterkapriolen, Berufsgenossenschaft und Vorgaben des lokalen Netzbetreibers: Als sich Holger Laudeley im Frühjahr 2019 erstmals mit der Familie Hoffmann/Krüger trifft, ahnt er bereits, dass dieses Vorhaben nicht ohne Komplikationen über die Bühne gehen wird. „Drei auf einen Streich – das hatten wir so in all den Jahren wirklich noch nie“, erinnert sich Laudeley. Besonders an der Konstellation reizt ihn das 24-Parteienhaus, das sich etwa 200 Meter von zwei Einfamilienhäusern entfernt befindet. 

Konkret gehören der Familie Hoffmann/Krüger in Ludwigsfelde mehrere Gründstücke, die aneinander grenzen. Bis zum ersten Treffen mit Laudeley befanden sich darauf zwei Gebäude: Ein älteres Einfamilienhaus, und das Mehrparteienhaus. Einige Monate später kam ein Neubau als Bungalow hinzu, in den die Eltern einzogen, während die Kinder im bisherigen Haus blieben. 

„Bei der Planung des Bungalows hatten wir vor allem Ziel: Ein Stück unabhängiger werden“, erzählt Krüger. Einigermaßen ratlos, wie das Projekt anzugehen sei, landeten die IT-Spezialisten bei Youtube und Holger Laudeley. In den Gesprächen kristallisierte sich für Hoffmann und Krüger vor allem eines heraus: Das schöne Gefühl, eines Tages fast ausschließlich von der Sonne versorgt zu werden. „Aber bevor es soweit ist, müssen einige Schikanen aus dem Weg geräumt, und bürokratische Hemmnisse überwunden werden“, versicherte Laudeley. Er sollte Recht behalten.

Mehrfamilienhaus mit 30 Jahre alter Heizung

Das älteste der drei Häuser ist das Mehrparteienhaus. Es bietet Wohnraum für 24 Familien. Das Gebäude-Flachdach stand ohnehin zur Sanierung an, während die Heizung nach 30 Jahren im Einsatz ebenfalls ein sinnvolles Austausch-Alter erreicht hatte. So entschieden sich Hoffmann/Krüger bei der energetisch-technischen Sanierung für das “große Paket”.

Bedeutet: Die Heizung wurde durch ein Blockheizkraftwerk (neotower) von RMB ersetzt. Die Hubkolbenmaschine läuft mit Gas aus dem öffentlichen Netz, leistet 16 Kilowatt – dafür liefert es nach dem Prinzip der Kraft-Wärme-Kopplung über drei bis fünf Monate im Jahr zuverlässig Strom und Wärme.

Vorteile BHKW vs. Wärmepumpe

„Für das BHKW sprach vor allem seine Effizienz, die durch die KWK-Nutzung viel besser ist als die etwa einer Wärmepumpe“, so Laudeley. Für besonders kalte Tage kommt ein Spitzenlastkessel hinzu, damit alle Wohnräume immer ausreichend mit Wärme versorgt werden.

Das BHKW wird wie alle Heizungen in den drei Gebäudenvon der lokal ansässigen Firma Klinkhammer Handwerk installiert und gewartet. Das BHKW im Mehrfamilienhaus, das wärmegeführt betrieben wird, stammt von Remeha. Dahinter verbergen sich die Geräte von RMB Energie aus Saterland. Obligatorisch ist die große Photovoltaikanlage (98 kWp) mit 288 Modulen von aleo Solar auf dem Flachdach, deren Energie über sechs SMA-Wechselrichter in Wechselstrom fürs Hausnetz verwandelt wird. 

„Eigentlich wollten wir die Wechselrichter von E3/DC einsetzen – aber der örtliche Netzbetreiber bestand auf SMA, da lediglich diese die Norm zum Oberschwingungsverhalten erfüllen würden“, so Laudeley. „Aus meiner Sicht Schikane, weil jeder Wechselrichter die Norm erfüllen muss.“

Herzstück der Energie-Anlage im Keller des Mehrfamilienhauses sind die zwei großen Stromspeicher vom Typ Quattroporte LINEA XXL mit jeweils 78 Kilowattstunden von E3/DC. Diese verfügen insgesamt über eine Kapazität von 156 Kilowattstunden und können 36 Kilowatt ausspeisen.

Baustelle mit Hindernissen

Als das Team von Laudeley Betriebstechnik im November 2020 für vier Tage nach Ludwigsfelde kommt, ahnt es nicht, welch widrige Umstände dort warten werden. An Tag 2 moniert ein Vertreter der Berufsgenossenschaft mangelnde Absturzgitter auf dem Dach des Mehrfamilienhauses und verhängt einen Baustopp.

„Wir haben dann extra entsprechende Sicherungen besorgt, und sie noch in der Nacht montiert“, erinnert sich Laudeley. „Währenddessen hat das Team den im Rohbau-Zustand befindlichen Neubau mit einer 14,52 Kilowattpeak-Photovoltaikanlage bestückt. Dank einer Attika, also einer Randbegrenzung ist diese Baustelle nicht vom Baustopp betroffen.

„An den folgenden Tagen haben wir dann bis spät in die Nacht geackert, um die verlorene Zeit wieder reinzuholen – letztlich gelang uns das aber nur bedingt, weil es natürlich im November auch regnet, und es dann wirklich unangenehm wird auf dem Dach. Schließlich hat uns das Theater einen ganzen Tag gekostet“, so Laudeley.

Trotzdem, blickt er stolz zurück, habe die fünf– bis sechstägige Bauphase weniger Zeit in Anspruch genommen als die Überwindung der bürokratischen Hürden. „Der hiesige Netzbetreiber hatte ganz andere Vorstellungen für die Messkonzepte als unsere Netzversorger in Niedersachsen“, so Laudeley.

Netzanschluss 220 Meter vom Haus entfernt

Und: Obwohl Laudeley ausgerechnet hatte, dass der vorhandene Netzanschluss ausreicht, verlangte der Netzbetreiber das Verlegen eines zusätzlichen Kabels über 220 Meter und die Platzierung einer neuen Zählersäule an der Grundstücksgrenze. Dort sollte dann auch der wichtige Bezugs– und Lieferzähler installiert werden. „Zum Glück gehören die entsprechenden Grundstücke allesamt dem Auftraggeber, so dass wir es einer Spezialfirma überlassen konnten, dieses Kabel zu verlegen“, so Laudeley.

Als das Team Anfang Dezember das nächste Mal nach Ludwigsfelde kommt, läuft wieder einiges schief: Der Teleskoplader, der gebraucht wird, um die Solarmodule auf das Mehrfamilienhaus zu bekommen – immerhin 288 Stück – kommt verspätet. Doch damit nicht genug: Auch die Speichersysteme von E3/DC kommen nicht pünktlich. Ergo: Nach der nächsten Nacht-schicht sind die Speicher und die Solarmodule installiert.

Altbau und Neubau mit neuer Energie

„Das Laudeley-Konzept basiert immer auf Photovoltaik auf dem Dach, Stromspeichern von E3/DC und Brauchwasser-Wärmepumpen für die Warmwasserversorgung im Sommer“, so Holger Laudeley. Daneben unterscheidet es sich lediglich bei der Nutzung der zweiten Erzeugungsquelle: Während das Mehrfamilienhaus ein Remeha-BHKW bekam, erhielt der gut gedämmte Neubau eine Sole-Wärmepumpe (Viessmann / 7.500 Watt thermisch, 1.500 Watt elektrisch). Und der Altbau wurde mit einer Brennstoffzelle ausgestattet.

Standard ist die Verwendung von intelligenten Stromzählern vom wettbewerblichen Messstellenbetreiber Discovergy. Die Aachener zählen mittlerweile zu den Unternehmen, die die meisten Mieterstromprojekte mit Partnern wie Laudeley realisiert haben. Allein für das Mehrfamilienhaus in Luckenwalde kommen 31 Zähler zum Einsatz. Dafür gewinnen Mieter Transparenz über ihre Stromverbräuche – und die Vermieter die Grundlage für die Abrechnung der Stromkosten der einzelnen Parteien.

So gelingt Sanierung auf allen Ebenen

Deutschland muss die Sanierungsquote deutlich erhöhen, um die nach dem Urteil des Bundesverfassungsgericht vom April 2021 erhöhten Klimaziele zu erreichen. Die energetisch-technische Sanierung des Gebäudebestands ist dafür das A und O. „Eines darf man nicht vergessen: Bisherige Gebäude in Deutschland sind auf 80 Jahre ausgelegt“, sagt Laudeley.

Dabei machten die Baukosten einen Anteil von 10 Prozent aus, während die Betriebskosten 90 Prozent ausmachen würden. „Auf die Gebäude-Lebensdauer gerechnet, drehen wir das Verhält nis durch die Kombination aus PV, Speicher, Wärmepumpe für Brauchwasser und zweite Erzeugungsquelle fast um: Denn sobald die Kredite abbezahlt sind, ist die Energieversorgung beinahe kostenlos.“

Laudeley hat damit eine Art Standard-Konzept geschaffen, dass auf viele Gebäude übertragen werden kann: Nachahmung bundesweit empfohlen.

Das passende Handout zu diesem Projekt gibt es hier zum Download.

Allgemeine Anfragen:


Catharina Glöckner
Tel: 0 42 92 / 810 340
Fax: 0 42 92 / 810 341
E-Mail: catharina@laudeley.de
Mo bis Do: 8 bis 16:30 Uhr
Freitag: 8 bis 15:30 Uhr

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